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Mittwoch, 11. Februar 2009

Zurück in...

Plötzlich sitze ich wieder im leise rollenden Zug nach Basel. Die künstlich erhitze Luft riecht nach nassem Stoff. Draussen zieht eine frostige Landschaft vorbei. Schemenhaft hasten ein paar Gestalten durch die morgendliche Kälte. Mein Geist hängt irgendwo in Thailand am Strand. Die Füsse im warmen Wasser, halb im Sand vergraben und die Sonne auf dem Bauch. Ich blicke nach oben und sehe eine graue Decke, aus der leise ein paar unmotivierte Schneeflocken herab mosern. Das kann doch nicht sein. Bin ich zurück?

Irgendwie weigert sich mein Verstand es zu glauben. Und doch ist es wahr und gut und richtig. Auch wenn ich noch unbedingt nach Australien gewollt hätte, ja sogar schon ein Zwölfmonats-Visum besitze. Es ist trotzdem richtig hier zu sein. Nicht nur für ein paar Tage oder Wochen. Sondern richtig hier zu sein. Irgendwann spürt man es plötzlich. Es kommt nicht leise angeschlichen, sondern steht einem ganz plötzlich auf den Fuss. Es ist genug. Genug gereist. Geh nach Hause. Australien läuft nicht weg, selbst wenn sich der Kontinent jedes Jahr durch die Plattentektonik ein paar Zentimeter von der Schweiz entfernt. Ich bin schneller. Ich weiss es. Ich werde ihn irgendwann doch noch einholen. Dann wen die Zeit reif dafür ist. Im Moment ist sie es nicht!

Nach fast zwei Jahren, unendlichen Erlebnissen, fantastischen Eindrücken und vielen lehrreichen Erfahrungen über mich selber und den Rest der Welt, bin ich wieder zu Hause. Noch nicht ganz, denn erst einmal muss ich mir eine definitive Bleibe suchen (das macht man so in der Schweiz, habe ich mir sagen lassen). Ausserdem habe ich gehört, es sei hier so Brauch, das man (zumindest von Montags bis Freitags) an einen speziellen Ort fahre um sich dort für circa acht Stunden pro Tag mehr oder weniger Erfolgreich in der Nähe der Kaffeemaschine aufzuhalten. Gelinge dies nicht, gelte es unterhaltsame Happenings mit anderen Kaffeemaschinen-Schleichversagern zu organisieren. Die Happenings seien mindestens so lange in die Länge zu ziehen, bis sie das rettende Ufer der Mittagspause erreichten und bei Bedarf danach wieder fortgesetzt werden könnten. Dazwischen und auf dem Weg zu und vom Ort dieses Geschehens würde man sich mit anderen Happeningern einheitlich und über Monate nur über ein Thema unterhalten: Die Boni der UBS.

Ja und was war denn nun zwischen Nepal und der Rückkehr in die Schweiz los? Wo sind die Berichte? Ganz einfach: Es gibt keine! Für ein paar Wochen bin ich einfach nur gereist. Habe einfach nur vor mich hin gelebt und das wahre Gobetrotter-Feeling genossen. Wie zu Zeiten als es noch keine Laptops, kein Internet, keine Blogs gab. Ich war auf einsamen Inseln in Thailand, in fernen Klöstern in Kambodscha und am puderweissen Strand von Tel-Aviv. Eine Zeit in der ich hauptsächlich mit Freunden aus Bulgarien unterwegs war. Nein, sie waren weder schwarz noch hatten sie Schnäbel und sie haben auch nicht auf mir herumgepickt! Wir reisten per Anhalter durch Asien. Etwas was sonst niemand macht, doch eigentlich funktioniert es recht gut. Eine wunderschöne und intensive Zeit die ich hier einfach nicht beschreibe. Eine Zeit von der ich Euch gerne erzähle. Persönlich und nicht im Internet. Denn draussen ist es nun kalt und grau und was gibt es da schöneres als ein paar Fotos von warmen Stränden, feurigen Sonnenuntergängen und scharfem Essen zu betrachten und dazu den Geschichten aus fernen Ländern zu lauschen?

Auf bald!

Euer Globetrotter zu Hause

Samstag, 16. August 2008

Wenn man das Glück nicht achtet


Verstecktes Glück
Originally uploaded by hobbes_ch
Ich bekam ein „verstecktes Glück“ geschenkt, habe es jedoch tatsächlich vergessen mit zu nehmen. Wie kann man so etwas wichtiges denn nur vergessen! Nicht nur, das mich die Schenkerin Anette beim nächsten Besuch mit dem Zaunpfahl auf die verdörrte Pflaume die bei mir anstelle eines Denkapparates eingebaut sei hinwies (...obwohl Frauen die unglaubliche Gabe haben, solch einen Hinweis mit Blumen und farbigen Schleifchen zu umwickeln, bis er fast wie ein Kompliment daher kommt). Nein, das verschmähte Glück rächte sich in den letzten zwei Wochen gleich selber und ohne Beihilfe Anettes.

Wie alles begann: Wie bereits gesagt vergass ich das „versteckte Glück“, einen winziger Kristall in einer genauso winzigen Höhle eines ziemlich winzigen Steins bei Anette auf dem Küchentisch. Inzwischen liegt „das versteckte Glück“ natürlich längst hier bei mir auf dem Arbeitstisch und ist, beim genaueren betrachten, auch gar nicht so winzig. Sonst fühlt es sich noch beleidigt und mir erfährt noch mehr Unglück.

Am Folgetag wollen Anette und ich Rollerbladen gehen. Diese dynamische Sportart gehört bei mir durchaus zu den beliebtesten Ausreden um Sonntags nicht die Küche aufzuräumen. Ich hatte mir für unseren grossen Sportausflug extra ein neues und furchtbar verbilligtes Paar Rollerblades gekauft. Mit diesen baumelnden Trophäen und einem noch jungfräulichen Paar Handgelenkschoner stolziere ich also Richtung Bushaltestelle. Leider bin ich für den geplanten Zug, den Anette und ich erwischen wollen, etwas spät dran. Das hält den Bus leider kein Bisschen davon ab, mir vor der Nase davon zu fahren. Ich stehe also immer noch mit baumelnden Rollerblades an der Bushaltestelle, sehe aber inzwischen wegen den nun etwas hängenden Schultern eher aus wie ein schlechte ausgewuchteter Weihnachtsbaum. Der nächste Bus fährt um neun Uhr fünfzehn. Na ja, das könnte noch knapp hinhauen. Um neun Uhr siebzehn ist er allerdings immer noch nicht da und ich werde nervös. Ich prüfe nochmals die Abfahrtszeit und erkenne das der Bus in Wirklichkeit erst um zweiundzwanzig nach fährt. Das ist verdammt spät! Kurzentschlossen ringe ich mich dazu durch, mit den Rollerblades bis zum Dreispitz zu fahren um dort den anderen Bus an den Badischen Bahnhof zu erwischen.

In flottem Tempo düse ich den Hügel hinunter, bremse aber doch immer wieder auf halbe Schallgeschwindigkeit ab, um einen möglichen Sturz zu überleben und doch noch nach Nepal reisen zu können. Zu dem bereits erwarteten Sturz kommt's dann auch schon wenig später. Meine Beine wabbeln wie Pudding und wollen alles andere als geradeaus fahren. Mit der Koordination der abtrünnigen Extremitäten beschäftigt erfährt mein Gleichgewichtssinn eine spontane Überlastung und beschliesst erst einmal eine neutrale Ruheposition einzunehmen. Ich lande ziemlich unsanft auf dem Bauch und schürfe mir einige exponierte Stellen auf. Stöhnend rolle ich mich erst einmal von der Strasse und setzte mich auf die Böschung um den Schaden zu begutachten. Eigentlich ist alles nicht so schlimm. Nur oberflächliche Schürfungen und meine Schulter tut etwas weh. Ich kann den Arm nicht mehr richtig bewegen, aber das gibt sich sicher auch bald wieder.

Ich fahre weiter. Ganze fünf Meter. Dann merke ich das meine nagelneuen Rollerblades beim Sturz kaputt gegangen sind. Eine Schnalle ist abgebrochen und ich fahre nur den Stil eines umgekehrten und sehr flachen „V“s. Ich hätte das „versteckte Glück“ wirklich nicht vergessen dürfen!

Endlich bei Anette angekommen werde ich erst einmal von ihr desinfiziert und dick mit Sportverletzungssalbe eingestrichen. Eine Apotheke hat uns aus Erbarmen mehrere Gratismuster mitgegeben, welche wir nun nacheinander durchprobieren. Die erste Salbe brennt wie Feuer und kühlt gleichzeitig. Vielleicht hört sich das jetzt komisch an, aber genau so wirkte sie. Das Produkt sollte den Markennamen „Gefrorener Vulkan“ oder „hEissgekühlt“ tragen.

Den Tag verbringen wir mit einer mehr oder weniger entspannten Tour durch Freiburg, inklusive einer Besteigung des Schlossbergturms. Unterbrochen wird der Ausflug nur durch regelmässig aufwallendes Gejammer meinerseits, welchem Anette mit erneuten Salbungsaktionen begegnet. Ich empfehle ihr, mir doch eine „letzte Ölung“ zu verpassen und mich danach not zu schlachten. Leider weigert sie sich konsequent gegen diese finalen Schritte und salbt fleissig weiter.

Nach der Rückfahrt kommen wir glücklich wieder in Basel an und ich versuche den Zug zu verlassen. Leider gelingt mir das nicht gleich. In dem Moment als ich durch die grosse Automatiktür des Wagons trete, donnert diese heftig zu. Genau auf meine verletzte Schulter. I gebe zu, das tut jetzt schon etwas weh. Ich hätte das „versteckte Glück“ wirklich nicht vergessen dürfen!

Eine Woche später sind die ganzen Schürfwunden schon wieder ziemlich verheilt, nur mein linker Arm baumelt immer noch ziemlich lustlos an mir runter. Zwar kann ich ihn inzwischen schon wieder etwa zwei Zentimeter anheben, aber damit kommt man in der Dusche schwer an die eigenen Haare. Und einhändig Haare Waschen ist wie mit der linken Hand Papier zu schneiden: Man kann es auch gleich lassen.

In Ermangelung einer besseren Lösung hebe ich also mit dem rechten Arm meinen linken Arm hoch und stütze den Ellenbogen in die Ecke der Duschkabine. So gelangt meine linke Hand in meine Haare und krallt sich dort erstmal fest. Inzwischen habe ich bemerkt, das ich meiner Hand vielleicht besser vorher noch etwas Schampo hätte mitgegeben sollen und versuche dies nun einhändig nachzuholen. Im Blindflug drücke ich mir einen riesigen Klacks Schampo direkt auf den Kopf und in die Augen. Nun versuche ich, inzwischen blind, die schlampigen Waschvorbereitungen durch einigermassen koordinierte Handarbeit beider Hände wieder wett zu machen. Leider verursachen diese Bewegungen nun doch ziemlich massive Schmerzen in meiner Schulter und ich lasse das ganze sein. Wer verletzt ist braucht keine supersauberen Haare. Ausserdem sollte die doofe Schulter nach dieser Zeit schon längst wieder gesund sein. Ich beschliesse nun doch noch zum Arzt zu gehen. Vorher will ich den Unfall aber noch bei meiner Versicherung melden.

„Aber sie sind bei uns gar nicht Unfall versichert“, meint der Kundenberater meiner Versicherung pikiert. "Wie kann denn das sein“ erwidere ich „ich habe doch extra dazu geschrieben das ich nach Ablauf meiner Abredeversicherung meines ehemaligen Arbeitgebers bei ihnen auch die Unfallversicherung will“. „Ja, aber sie haben es nur bei dem Formular der Zusatzversicherung“ dazu geschrieben. Nun sind sie nur Unfall-Zusatzversichert.“
Ich stosse wieder einmal an die Grenzen meines Begriffsuniversums, insbesondere was versicherungstechnisches Gefasel anbelangt. Wie kann man zusatzversichert sein ohne eine Grundversicherung zu haben und warum ist eine Unfall-Zusatzversicherung keine Unfall-Zusatzversicherung zur Kranken-Grundversicherung, so wie ich das eben verstanden hatte. „Wir melden uns morgen wieder“, meint mein Kundenberater dazu.

Wenig später sitze ich im Wartesaal meines Hausarztes, einem früheren Schulkollegen. Vor mir liegen sicher zwanzig interessante Zeitschriften die alle gelesen werden wollen. Kostet es eigentlich, wenn man einfach so ins Wartezimmer seines Hausarztes zum Lesen geht? Auch ohne Arzttermin? Ich lesen einen Beitrag in der Geo über „Entscheidungen“ und komme genau bis zur Seite zwei, dann bin ich schon an der Reihe. Dabei wurde der Artikel gerade spannend. Es ist immer das gleiche mit diesen Wartesälen. Fängt man erst gar nicht an zu lesen, wartet man Stunden. Liest man doch, wird man genau dann wenn der Text spannend wird aufgerufen.

Nachdem ich meinem Arzt meine Schulter zeige schüttelt der nur den Kopf und mach seltsame Geräusche. "Ohh ohhh ohhh". Schliesslich findet er, dass das nicht gut aussehe. Eigentlich hätte er schon lange keine so schlimme Schulter mehr gesehen (beruhigend). Vielleicht müsse man das operieren (sehr beruhigend) und eine Schraube reindrehen (wahnsinnig beruhigend). Und wahrscheinlich müsse man auch ein MRI machen (äusserst beruhigend, vor allem wenn man nicht unfallversichert ist, also alles selber bezahlen muss!). Ich hätte das „versteckte Glück„ wirklich nicht vergessen sollen!!

Schliesslich röntgt er mich aber nur und meint danach lakonisch, die Schulter sei gebrochen. Kein Wunder hat das mit den beidhändigen Haare waschen nicht geklappt, denke ich mir. Aber man müsse nichts machen, das wachse nach drei bis vier Wochen wieder zusammen. Er will mir auch keine Schrauben, Dübel, Anker oder sonstigen Metallteile mehr implantieren, sondern einfach nur warten und in zwei Wochen nochmals röntgen. Warten ist gut! Röntgen ist auch gut! Das tut alles nicht sehr weh und kostet auch nicht so viel. Doch noch Glück gehabt. Wenn auch versteckt.

Als sich am Nachmittag dann auch noch die Versicherung meldet und mir eröffnet, sie hätten beschlossen das ich die Unfallversicherung nachträglich und rückwirkend abschliessen könne ist mein Tag gerettet. Ich werde nie wieder ein Glück vergessen. Nicht mal wenn es versteckt ist!

Mittwoch, 30. Juli 2008

Sturm

Ihr fragt mich heut
wie es mir geht
wie kann ich euch das sagen
fragt statt des Boots
das sich bewegt
die Wellen die es tragen
durch diesen Sturm
der mächtig tobt
mit Feuer, Wind
und Wasser lobt
das Leben zu erfahren

Doch wahrlich
was ich sagen kann
im Strudel der Gezeiten
es kümmert nicht
das schmerzlich Bann
das trübt
die neuen Weiten
die Wolken werden
sich verziehn
vom Horizont
der nur gelihn
vom Licht
das sie begleiten

Sonntag, 27. Juli 2008

Back to Switzerland

Das gute an Weltreisen ist, das man sie nach Lust und Laune unterbrechen kann und dann trotzdem noch Ferien hat. Und das gute an der Schweiz ist, das es hier Kühe nicht heilig sind und ich drum umso mehr davon verspeise. Wenigstens jetzt gerade, während meines Zwischenhalts in der Schweiz. Bis am 9. September geniesse ich erst einmal den heimischen Sommer und fliege dann wieder zurück nach Delhi, um kurze Zeit später in den Himalaya einzutauchen.

Freitag, 18. Juli 2008

:'o(

... traurig ...

Mittwoch, 28. Mai 2008

Träume süss mein Engel


Kerze
Originally uploaded by hobbes_ch
Heute Nacht habe ich dir beim Schlafen zugesehen. Du sahst friedlich und wunderschön aus. Ein schlafender Engel. Der gelbe Glanz des Lichts fing sich in der sanften Haut deines Nackens. Mein Blick streifte deinen Hals und verhielt an der Stelle wo dein Haar dunkel auf deinen Hals fiel. Ich wünschte mir winzig klein zu sein und mich genau an dieser Stelle hin zulegen. Ich hätte mich mit deinem Haar zudecken und so auf dir träumen können. Doch ich wollte dich weiter betrachten. Mein Blick glitt höher und verschmolz mit deinem schlafenden Gesicht. Blieb an dem winzigen Muttermal auf deiner Wange hängen. Ich erschauerte bei der Frage, wie jemand wie ich so etwas wunderschönes wie dich verdient hat.

Ich hätte dich gerne fotografiert um diesen Moment für immer festzuhalten, wollte ihn aber nicht genau dadurch zerstören.
Bei jedem Atemzug hob und senkte sich die rote Decke auf dir und ich merkte, dass wir genau gleichzeitig atmeten. Doch dann fielen wir aus dem Takt, nur um uns kurze Zeit später wieder zu finden. Etwas wie unsere eigene Geschichte.

Wenn ich die Augen leicht schloss, schien es mir, als könnte ich Deine Träume sehen. Sie schwebten und tanzten über dir. Manchmal schien es, als würden sie von dir wegfliegen, kehrten aber immer wieder zurück zu dir. Sie glichen farbigem Glas, waren aber flüssig wie Quecksilber und flüchtig wie der Rauch eines Räucherstäbchens. Ständig veränderten sie sich und schienen von innen zu leuchten. Leuchtkäfer der Seele.

Plötzlich huschte ein Lächeln über dein Gesicht und du drehtest dich um zu mir. Und ich wusste, es wird gut. Träume süss mein Engel.