Dienstag, 1. Mai 2007

E-Tickets in Ägypten


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Originally uploaded by hobbes_ch.

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Gleich vorweg: E-Tickets sind nicht kompatibel mit Ägypten. Ich weiss nicht, ob E-Tickets nur in Ländern bis 30 Grad funktionieren, in Ägypten tun sie es jedenfalls nicht. Um die Sachlage etwas in ein objektiveres Licht zu rücken: Vielleicht hätte es ja geholfen, wenn ich gewusst hätte, welchen Flug wir gebucht hatten. Das hatte ich mir zwar fein säuberlich notiert, den Zettel dann aber genauso gewissenhaft zu Hause liegen lassen. Na toll! Guter Start!

Meine Vergesslichkeit veranlasst einen in Anzug und Krawatte gekleideten Schalter-beamten in Kairo dazu, Simi und mich ständig nach einem „Plan“ zu fragen. Keine Ahnung was er mit „Plan“ meint und so strecken wir ihm einfach alle Zettel hin, die der Rucksack in der Verzweiflung hergibt. Ach wie schön war doch die Zeit, als man noch ein ordentliches Scheck-Büchlein mit allen Flug-Tickets vom Reiseunternehmen erhalten hat. Simi erläutert dann irgendwann nur genervt: „We have the plan to make holidays!“.

Schliesslich haben wir es doch noch geschafft. Nach drei Stunden Fahrt an den Frankfurter Flughafen, vier Stunden Flug nach Kairo, Gepäck abholen, einchecken, Gepäck aufgeben, zwei Stunden warten, knapp eine Stunde Flug nach Hurghada und einer halben Stunde Fahrt ins Hotel (nicht das, welches wir gebucht hatten!) – sind wir endlich da. Was für ein Maraton für eine einzige Woche Ferien in Ägypten.

Hotel der Mücken
El Gouna begrüsst uns mit kühlen 27 Grad und einer Menge Mücken. Seit wann hat es denn Mücken in Ägypten? Wo sollen diese Biester hier denn bitte brüten? In der Wüste? In den Pyramiden?? Die Viecher die also eigentlich gar nicht vorkommen dürften, demonstrieren uns ihre Existenz mit unermüdlichen Luftangriffen und halten mich die ganze erste Nacht wach. Zum Glück habe ich auf meiner Materialliste den Posten „Mückenstecker“ zu Hause vorsorglich gestrichen. Es kann in Ägypten keine Mücken geben! Weil es sie dann doch gibt, erwischt mich Simi mehrmals in der Nacht, wie ich in Karatestellung wach im Bett liege und einen insektoiden Massenmord zu begehen versuche. Ich bin zwar äusserst pazifistisch, aber in dieser Nacht töte ich Euch alle! Und wenn es das letzte ist was ich tue und dafür auch noch in die Hölle fahre!

Am Riff
Pose und fast ersoffenDer erwartete komatöse Schlaf blieb die ganze Nacht aus, auch wenn er meinem Zustand nach der Marathon-Anreise durchaus entsprochen hätte. Die Mücken blieben siegreich.

Macht nichts. Das Meer bringt uns sicher wieder auf andere Gedanken. Simi und ich fahren zu einem nahe gelegenen Sandstrand mit einem schönen Riff. Wir bestellen uns dazu ein Tocktock. Das Tocktock könnte mit seinen drei Rädern und dem typischen Vespa-Sound glatt einem Luis de Funes Film entsprungen sein. Der dunkelhäuitige Fahrer passt da aber nicht ganz in die Szene, macht dieses Manko jedoch mit seinem halsbrecherischen Fahrstil wieder wett.

Knapp überleben wir die rasante Fahrt und stürzen uns bald darauf ins warme Meer. Warm hatte ich es jedenfalls in Erinnerung. Leider scheint das Meer dies vergessen zu haben. Das Wasser ist kalt! Zu kalt auf jeden Fall um lange schnorcheln zu gehen. Ich frage mich, ob die Klimaerwärmung einen Gegenpol braucht und daher alle Meere einfach ein paar Grad abkühlen liess. Es könnte ja sein, dass ähnlich dem Energieerhaltungssatz die Gesamt-menge an Wärme der Erde immer gleich sein muss. Wenn die Luft dann zu warm ist, ist das Meer halt einfach kälter. Ist doch ganz logisch, oder? Dem Meer ist das egal und kühlt uns weiter auf wenig ferienmässige Temperaturen herunter.

Nesselsack

Dafür ist die Unterwasserwelt umso schöner. Das Rote Meer begrüsst uns mit einem verschwenderischen Teppich aus Farben, Formen und Getier. Von ausserirdisch anmutenden Quallen über fast unnatürlich farbige Fische bis zu bizarren Seegurken kreucht und fleucht es um uns rum. Fast die ganze Starbesetzung von Nemo scheint hier eine Party zu feiern und wir sind als VIP-Gäste mitten drin. Wir geniessen den ersten Tauchgang bis unsere Körper uns schlotternd zu verstehen geben, dass dies weder unser natürliches Element noch unsere Wohlfühl-Temperatur ist und uns zurück an den Strand spuckt.

Simi und die Ägypter
Simi und die Ägypter - zum zweitenSimi ist ein unfreiwilliges Talent! Mit ihrer hellen Haut scheint sie wie eine Leuchtboje mit der Aufschrift „verkauf mir was“ am Strand zu liegen. Das nutzen die netten und geschäftstüchtigen Ägypter gerne und bieten ihr alle fünf Minuten etwas neues an. Kamelreiten, Schnorchelfahrten, Pyramidenbesichtigungen, Massagen und was weiss ich noch was alles möchten sie ihr nahe bringen. Nicht ein einziges mal werde ICH in der Zeit angesprochen. Ich sehe wohl einfach zu unnahbar oder schlicht zu arm aus.

Simi unterhält sich jedoch immer ganz nett, freundlich und vor allem lange mit den tüchtigen Verkäufern. Dadurch kommen sie auch immer und immer wieder und so haben wir laufend Gesellschaft.

Wir beschliessen dann endlich doch auf eines der Angebote einzugehen und uns einen Schnorchelausflug mit einem Boot zu gönnen. Delfine, einsame Inseln und natürlich wunderschöne Riffe verspricht man uns. Wir glauben kein Wort davon, schauen der Sache jedoch gespannt und freudig entgegen. Schliesslich ist so eine kleine Bootstour an sich auch schon ganz nett. Später wird sich zu unserem grossen Erstaunen jedoch zeigen, dass sämtliche Versprechungen tatsächlich wahr waren! Wer hätte das gedacht. Manchmal sollte man seine Vorurteile einfach zur Seite legen und einfach glauben was einem erzählt wird, selbst wenn es noch so unmöglich klingt.

Schnorcheltrip

Unglaublich! Der Schnorcheltrip übertrifft wirklich alle Erwartungen. Die angepriesenen Riffe sind noch schöner als in der Beschreibung und lassen keine Wünsche mehr offen. Gleich zu Beginn des Trips lernen wir Saskia und Remo kennen, ein aufgestelltes Deutsches Pärchen welches im gleichen Hotel wie wir einquartiert ist. Zusammen lachen und albern wir den ganzen Tag durch und geniessen die wunderschöne Über- und Unterwassergegend.

Bei einem Tauchgang muss ich mich schrecklich über einen Landesvertreter aufregen. Das ignorante Walross latscht mit seinen Flossen ignorant übers Korallenriff, als wäre es sein Wohnzimmerteppich. Ich kann es kaum glauben, ich dachte immer wir Schweizer hätten Manieren. Hier und jetzt, mitten im Roten Meer werde ich eines anderen belehrt und schäme mich für meine Volkszugehörigkeit!

Paralleltaucher in 70-Jahre Design

Zurück am Strand verabreden wir uns öfters mit Saskia und Reno und geniessen den Rest der Ferien in ähnlicher Manier. Wir knipsen fleissig Unterwasserbilder, spielen mit den (glücklicherweise) ungiftigen Quallen rum und albern abends zu Bier und Cola bis in die tiefe Nacht hinein und lassen es uns einfach gut gehen. Was für ein Auftakt meiner Zweijahresferien! Hoffentlich geht es weiter so.

Sonntag, 15. April 2007

Pilgertest im Doppelpack


Auf dem Richtigen Weg
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Der heutige Tag ist wieder mal völlig anders verlaufen als geplant. Er wird mir sogar in schmerzlicher Erinnerung bleiben. Aber dazu später mehr. Markus und ich haben heute unseren zweiten und letzten Pilger-Wanderungstest absolviert. Der erste erfolgreiche Test hätte ja purer Zufall sein können, also mussten wir ein zweites mal los und unsere Pilgertauglichkeit mit Vollpackung auf die Probe stellen.

Der Tag begann diesmal allerdings eher bescheiden, um nicht beschissen schreiben zu müssen. Ich hatte am Vorabend zwar all meine schönen Wander- und Pilgerutensilien bereitgelegt, aber ich wollte den Rucksack erst am Morgen packen. Schliesslich müssen da ja noch die Bratwürste rein. Und die sind ja jetzt noch im Kühlschrank. Das mein Rucksack nicht in den Kühlschrank passt ist klar und die Würste über Nacht einfach an der Wärme zu lassen traue ich mich nicht. Die haben eh schon grüne Pünktchen. Das Etikett behauptet zwar das sei Bärlauch, aber wer glaubt schon dem Etikett!

Um die missliche Packsituation zu lösen, stehe ich am nächsten Morgen zu nachtschlafender Stunde (halb neun Uhr) auf und packe alles ein. Und gleich wieder aus. Mein Rucksack will nicht zu. Ich habe alles versucht. Stopfen, würden, drauf sitzen, zerren, vakuumieren, komprimieren… er – geht – nicht - zu! Ich begreife die Welt nicht mehr, denn vor ein paar Wochen ging das noch und da hatte ich genau gleich viel dabei. Aber da der Rucksack von uns beiden der störrischere ist (und das will etwas heissen!) versuche ich das Problem zu umschiffen, was mir nach einer weiteren halben Stunde packgebastel endlich gelingt.

Inzwischen ist mein Bus natürlich schon weg und der letzte um knapp pünktlich zu sein fährt in sieben Minuten. Dabei wollte ich extra früh am Treffpunkt sein, um Markuses kein neues Futter für sein notorisches Pünktlichkeitsgehabe zu liefern. Mit viel Glück komme ich aber doch noch rechtzeitig beim Treffpunkt an aber Markus ist nirgends. Na toll! Ich hetz mir hier die Seele aus dem Leib und „dör Hörr“ liegt sicher noch wohlig in den Federn. Mitten im Gefluche schellt mein Natel und Markus fragt mich, ob ich die SMS nicht gekriegt habe, welche er mir vor einer halben Stunde geschickt hätte. Er wolle noch eine Latte Machiato trinken. Ich kwängele genervt rum, lasse mich aber dann doch überrede. Kaffee hilft ja vielleicht meine bescheidene Laune aufzubessern. Nach dem Auflegen sehe ich, dass die SMS tatsächlich angekommen ist… grad eben und mit einer halben Stunde Verspätung. Na das fängt ja toll an!


Pilger-Dua
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Nach dem verspäteten Morgenessen geht dann aber plötzlich alles ganz flott. Im Nu stehen wir vor dem imposanten Bau des Benediktinerklosters Mariastein. Wir finden, wir hätten nun unseren ersten Pilgerstempel verdient und ein netter Stempelmönch drückt uns auch tatsächlich einen wunderschönen Abdruck in unseren jungfräulichen Pass, nicht ohne uns viele gute Tipps mit auf den Weg zu geben. Leider sind in der Kirche nicht alle so zuvorkommend wie unser Mönch, denn schon kurze Zeit später werde ich von einer älteren Dame mit einem Stock quasi aus der Kirche geprügelt. Irgendwie hatte ich das mit der Nächstenliebe und Barmherzigkeit anders erwartet, aber man lernt ja nie aus.

Markus hat Hunger. Dabei haben wir den Latte Machiato samt Gipfeli noch nicht mal richtig verdaut. Aber ich will ja nicht so sein und so sitzen wir kurz danach unter den wachenden Blicken von einem Jesus am Kreuz bei Laugensandwich mit Fleischkäse und Senf. Das gibt uns die Kraft, kurz danach einen weiteren Hügel unbeschadet zu überklettern. Die heutige Wanderung scheint jeglichen Hang zur Horizontalen verloren zu haben. Es geht nur fast senkrecht hinauf und kurz danach nicht minder steil wieder hinunter. Wir nehmens gelassen und gackern vor uns hin:
Markus: „Du chasch mit nit zwinge vo Zwinge nach Laufe z’laufe“
Sandro: „Du bisch do ä fertige Kleilützel!“
Markus: „.. und Du bis ä Hofstetter, ä blöde!“
Beide: „*gacker*“

Schon bald genehmigen wir uns unser etwas spätes Mittagessen (inzwischen ist es kurz vor vier) und verspeisen unsere Würste. Meine grün gepunktete Bratwurst wird auf dem Grill komischerweise nur grau. Vielleicht hätte ich sie doch schon am Vorabend einpacken sollen. Aber sie schmeckt dann doch besser als sie aussieht und hilft mir, danach mühelos bis Laufen zu laufen. Markus hat da allerdings genug und wir beschliessen, uns nun fürs erste zu trennen. Bis zur wirklichen Pilgerroute nach Santiago de Compostela werden wir nicht mehr gemeinsam pilgern. Und da ich das erste Stück des Jakobswegs alleine begehe, ist unser Abschied hier fast sinnbildlich.

Wohin soll ich nun? Der Wegweiser schmeisst mir lauter Ortschaften entgegen, die ich noch nie gehört habe. Ausser einer Ortschaft ganz am Schluss, Delémont.

Mein nächstes Ziel
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Die hat auf jeden Fall einen Bahnhof wo am Sonntag spät noch ein Zug fährt. Aber Delémont ist noch vier Stunden entfernt! Vier Stunden!

Na egal, es schadet sicher nicht, wenn ich mich schon vor dem Jakobsweg etwas an meine persönlichen Grenzen heranwage. Zwei Stunden später begreife ich mich nicht mehr und schon gar nicht dieses Grenzerfahrungsgefasel. Irgendwann tut mir nach und nach plötzlich alles weh. Angefangen mit Händen und Füssen, welche sich plötzlich in aufgeblasene Zeppeline verwandelt haben. Ganz schlimm sind die Füsse. Da Zeppeline in Schuhen zu klaustrophobischen Anfällen neigen, fühlte sich jeder Schritt an, als wandle ich barfuss in einem ausgetrockneten, steinigen und glühend heissen Bachbett. Wobei laufen auch nicht ganz der richtige Begriff dafür ist. Meine dumpfen Knie eiern bei jedem Schritt schrecklich umher was meiner Gangart die Eleganz einer besoffenen Giraffe verleiht. Erst als ich beinahe auf eine ansehnliche Schlange zutorkele, verhilft mir das freigesetzte Adrenalin wieder eine einigermassen erkennbare Richtung einschlagen zu können.

Nachdem mir neben den Füssen praktisch jeder mit nerven bestückte Teil meines Körpers wehtut - speziell wenn er mit irgendeinem Teil des Rucksacks in Berührung kam - sehe ich plötzlich einen erlösenden Brunnen vor mir. Wasser ist gut! Wasser hilft immer und so fülle ich meinen Wassersack mit annähernd 2.5 Liter frischen Brunnenwassers. Leider sind das auch wieder 2.5kg zusätzliche Rucksacklast, was mir den Glauben an das Gute im Wasser gleich wieder nimmt. By the way… rund zwei Liter des Brunnenwassers habe ich erst zu Hause ausgeleert. Ich hatte unterwegs keinen Durst mehr. Soviel zum gesunden Menschenverstand.

Eiernd und total geschafft komme ich nach einer letzten Brückenüberquerung dann doch noch in Delémont an und springe beinahe von der Brücke. Ein letzter Wanderwegweiser will mir weismachen, dass es zum Bahnhof „nur“ noch 25 Minuten Gehzeit ist. Ich latsche doch nicht vier Stunden nach Delémont um dann in dem blöden Kaff nochmals fast eine halbe Stunde zum Bahnhof zu wackeln! Das ist nicht fair. Es fährt kein Bus, es gibt hier kein Tram, es hält kein Auto. Es gibt gar nichts, ausser mir, meiner eiernden Knie und einer langen geraden Strasse.

Ich habe es schliesslich doch noch geschafft! In kürzerer Zeit und mit grösseren Schmerzen als ich dachte. Ich habe selten in so freudiger Erwartung einem Bahnhof entgegengefiebert und mein schmerzvolles und unabsichtliches Bussetun wurde mit einem perfekten Timing belohnt. Schon 12 Minunten später raste ich den ganzen Weg nach Laufen und Basel zurück. Nur diesmal im Sitzen und ohne Mühe. Auf nach Santiago de Compostela. Ich bin bereit!

Samstag, 7. April 2007

Ferien! Stillhalten!


Zwei Jahre Ferien
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Nicht einfach! Kaum zu glauben, ausschlafen ist wirklich nicht ganz einfach! Ende März habe ich mein ordentliches Arbeitsleben fürs erste abgeschlossen. Ich habe nun Ferien! Endlich. Oder eben fast unendlich. Zwei Jahre!! Was für ein Gefühl! Eine unglaubliche Zeit liegt vor mir und ich kann sie noch gar nicht richtig erkennen. Noch immer hänge ich im Vakuum und suche mit einer winzigen Taschenlampe nach dem roten Faden. Nicht das mir langweilig wäre. Mir doch nicht! Ganz im Gegenteil. Ich verfalle oft ganz spontan dem blinden Aktivismus. Von einer Stunde zur nächsten starte ich hundert Projekte, um sie zehn Minuten später gleich wieder in den Wind zu schiessen. Weil ich ja Ferien habe. Dann pflanze ich mich mit einem guten Buch auf die Couch und geniesse es einfach, Zeit für so etwas wie "lesen" zu haben.

Die Wahrnehmung meiner Freizeitbeschäftigungen hat sich total verändert. “Lesen“ zum Beispiel, war in den letzten Jahren reserviert für Zeiten zwischen anderen Aktivitäten oder als Beschäftigung vor dem Einschlafen. Mit meinem neuen, randvoll gefüllten Zeitkonto kann ich "lesen" nun einfach einen ganzen Tag lang in den Mittelpunkt stellen. Nichts vorher, nichts nachher, einfach nur lesen. Stundenlang und dazwischen natürlich auch immer mal wieder einschlafen.

Apropos schlafen. Es ist doch etwas wunderbares, wenn man morgens dem Radiowecker mit notorischer Ignoranz begegnen kann. Letztens hat er zwei Stunden lang verzweifelt versucht mich aus dem Bett zu kriegen und es einfach nicht geschafft. Er liegt seither mit depressiven Störungen neben dem Bett und röchelt morgens nur noch frustriert vor sich hin. Auch eine praktikable Lösung!

Inzwischen freue ich mich immer mehr auf den Jakobsweg und auf meinen Aufenthalt in Afrika. Ich spüre die unglaubliche Fülle von Erlebnissen die vor mir liegt und versuche gleichzeitig so wenige Erwartungen wie möglich aufzubauen. Das ist gar nicht so einfach wenn man so viel Zeit zum Nachdenken hat wie ich. Es gibt Freunde die meine Fähigkeiten zum Luftschlossbauen gut kennen und nun sicher ahnen, mit welcher Sorgfalt ich meine Reise-Luftschlösser schon angemalt und verziert habe. Vielleicht sollte ich doch besser einfach wieder lesen, um die Zeit bis zum Start zu überbrücken. Oder noch besser: Ich starte ein paar Probeetappen für den Jakobsweg. Ich könnte ja mal die Dauermarschfähigkeiten meiner Füsse erproben und eine Woche auf einem Schweizer Jakobsweg wandeln. Mit zusätzlichem Gepäck natürlich. Ich habe mal gelesen, dass man neue Brücken testet, indem man vollgeladene Lastwagen drauf parkt. Mal schauen was ich als Lastenbrücke (mit Lowa-Pfeilern) so aushalte.

Sonntag, 11. März 2007

Der Jakobsweg zeigt die ersten Überraschungen


Zwei Pilger am Start
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Heute haben Markus und ich die erste Jakobsweg- Testwanderung gestartet. Wie es sich für alte Männer wie uns gehört, muss man ja vor grossen Exkursionen erst testen, ob alle Systeme noch richtig funktionieren und nicht plötzlich ein Gelenk bei der ersten Bodenwelle aus der Fassung springt. Ausserdem sollten wir im praktischen Feldversuch ja erst erproben, wie unsere vermeintlichen acht Kilo Gepäck sich auf dem Rücken so anfühlen, wenn man sie erst mal ein paar Stunden durch die Gegend getragen hat. Also packen wir ohne Ausnahme alle Utensilien in unsere tollen 35 Liter Rucksäcke und treffen uns zu noch fast nächtlicher Stunde (10 Uhr morgens) im Fumare in Basel.

Nachdem wir gackernd unsere Latte Machiato geleert und uns gegenseitig davon überzeugt haben, dass beide auch wirklich sämtliche Jakobsweg-Utensilien dabei haben, geht’s los. Genau im Winkel von 247° Richtung Santiago de Compostela. Nicht das wir damit rechnen, heute noch bis dort zu kommen… aber man kann’s ja mal versuchen. Und ausserdem ist es ein gutes Gefühl, in eine definierte Richtung zu laufen.

Schon bald merken wir, dass der Jakobsweg grosse Überraschungen für uns bereithält. Und das schon bei der Probewanderung! Mit Überraschungen meine ich nicht die Autofahrer, die mich wild winkenden auf meinen verlorenen Hut hinweisen, den ich schon kurz nach dem Start verliere. Ich meine damit auch nicht das Spanische Konsulat, welches kurz darauf plötzlich zufällig vor uns auftaucht. Was ich wirklich damit meine ist die Frau, welche plötzlich an einem Rotlicht neben uns zu ihrem Begleiter einen Satz spricht, aus welchem Markus und ich ganz deutlich „Santiago de Compostela“ heraus hören. Wie vom Blitz getroffen drehen wir uns zu ihr um und rufen, „genau da wollen wir auch hin“.

Und so ist es geschehen, der Jakobsweg beschert uns nicht einmal einer Stunde nach dem Start unsere erste Pilgerbekanntschaft. Katherina hat den Weg schon zwei (oder warens doch drei??) mal beschritten und erzählt uns begeistert von ihren Erlebnissen. Wir hören fasziniert zu, quetschen sie natürlich gleich aus wie eine reife Zitrone und werden zur Belohnung spontan von ihr zum Essen eingeladen. So geht das also, wenn man auf dem Weg ist!


Markus auf dem Jakobsweg
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Natürlich ist das noch nicht genug, schliesslich sind wir ja künftige Vollblut Pilger und geben uns daher auch nur mit dem vollen Programm zufrieden. Drum kriegen wir kurz darauf die seltene Gelegenheit, den gesamten Jakobsweg in wenigen Minuten von Anfang bis Ende zu durchschreiten. Denn in der nächsten Ortschaft biegen wir plötzlich tatsächlich in eine Strasse ein, welche deutlich mit „Jakobsweg“ angeschrieben ist. Sollte uns das nicht zu denken geben?

Nachdem wir trotz kleineren Hüft-, Knie-, Fuss- und Equipment-Problemen (ich lege mich aus versehen auf das Trink-Ventil meines Camelbags und werde unfreiwillig gebadet) nicht zum Aufgeben gezwungen werden, landen wir schliesslich in Hofstetten und schliessen die spannende Probewanderung erfolgreich ab. Was für ein toller Tag!

Sonntag, 4. März 2007

Stirling und Bloggen


Stirling
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Liebe Freunde: In letzter Zeit werde ich darauf angesprochen, ich solle doch mein Weblog öfters aktualisieren. Nun, mein Tip an Euch: ABWARTEN!! Es gibt noch nicht viel zu erzählen und ich labere Euch den Kopf sicher nicht mit Kleinigkeiten voll, nur um hier was reinposten zu können.

Die Reise hat noch nicht wirklich begonnen, aber bald bald kommt Ihr auf Eure Kosten. Also, schön Ruhe bewahren und Tee trinken. Rom wurde auch nicht auf Zucker gebaut. Ich meine, Morgenstund ist aller Laster Anfang. Ach, Ihr wisst schon was ich meine!

Inzwischen habe ich mein (vermutlich) letztes Projekt bei meinem (Noch-) Arbeitgeber gestartet und werde wohl bald in die erquickende Freiheit frischgebackener Weltreisender entlassen. Die letzte Freizeit vor meinen langen Ferien nutze ich damit, mich näher mit möglichen Solar- und Wind-Technologien für mein Kenia-Projekt zu beschäftigen. In Tat und Wahrheit bedeutet dies, ich fertige technisch komplex wirkende Zeichnungen an und dichte den darauf erkennbaren Einrichtungen magische Verhaltensweisen und die Lösung aller weltlichen Probleme an.

Ich erkläre Kenia kurzerhand zum Energieland Nummer eins, welches mit seinen - durch MICH anno 2007 erstmals eingeführten und erfolgreich unter Afrikanischen Bedingungen getesteten - Solar-Stirling Systemen den Welt-Energiemarkt kräftig aufmischt, alle Öl-Giganten in eine wirtschaftliche Krise stürzt und damit andererseits Afrika zum reichsten Land der Erde macht.

In Folge dieser Entwicklung wird der CO2-Gehalt der Atmosphäre innert kürzester Zeit normalisiert und die Umweltverschmutzung sofort drastisch gesenkt. Die Regenwälder beginnen wieder breitflächig zu wachsen, die Iraner werden plötzlich allergisch auf angereichertes Plutonium und die Weltmeere leiden in 10 Jahren höchstens noch unter übermässigen Fisch- und Wal-Vorkommen. Die wichtigste Frage des 21ten Jahrhunderts wird also sein: Was machen wir mit all dem Fisch!

Natürlich wird die aktive Nutzung der Sonnenenergie auch dazu führen, dass die Erderwärmung innert weniger Jahre wieder auf ein normales Niveau zurückfällt und St. Moritz alle Schneekanonen in überdimensionale Poppkorn-Werfer umbauen kann. Die Gletscher wachsen wieder wie nie zuvor und stossen sogar bis an die Ufer der grossen Weltmeere vor. Jene Gletscherzungen welche dabei die berühmten Badestrände säumen, wird man unterwegs abwechselnd mit farbigem (unschädlichem, zahnschondendem und natürlich abbaubarem) Süssstoff besprühen. Vielleicht ebenfalls mithilfe der überflüssigen Schneekanonen aus St. Moritz. Zum Vergnügen aller kleinen und grossen Badegäste, bilden sich nach einiger Zeit riesige Mengen kostenlosen Wassereises an den Stränden jener Ferienorte.

Dass diese süssen Gletscherzungen auch gleichzeitig als natürliche Wellenbrecher für allfällige Zunamis dienen, versteht sich ja von selber.